Kakerlaken auf Gran Canaria: was Urlauber wissen müssen
Kakerlaken auf Gran Canaria sind klimabedingt normal. Arten, Playa del Inglés bis Las Palmas, Nord-Süd-Unterschied und was im Hotelzimmer zu tun ist.
By James Thornton
KI-generiertes Referenzbild, von Spain Pest Guide mit Feldaufnahmen abgeglichen.
Kakerlaken auf Gran Canaria sind normal und kein Hygienezeichen. Die Insel liegt subtropisch, hat mit Las Palmas de Gran Canaria die größte Stadt der Kanaren und ein entsprechend großes Kanalnetz. Dort lebt die Amerikanische Großschabe (Periplaneta americana) ganzjährig und kommt nachts durch Abflüsse nach oben.
Für deutsche und österreichische Gäste ist der Winter Hauptsaison. Wer im Januar aus dem Frost anreist, trifft auf eine Insel, auf der Insekten niemals eine Winterpause einlegen. Das erklärt den Überraschungseffekt, nicht ein schlechtes Hotel.
Warum es auf Gran Canaria ganzjährig Schaben gibt
Drei Faktoren wirken zusammen.
Kein Winter. An der Küste liegen die Januartemperaturen tagsüber bei etwa 21 Grad, nachts um 15 bis 17 Grad. Es gibt keine Kälteperiode, die die Populationen zurücksetzt. In Mitteleuropa bricht die Aktivität von Außenschaben im Herbst zusammen; hier passiert das nie.
Stadtgröße und Kanalnetz. Las Palmas ist mit rund 380.000 Einwohnern die größte Stadt des Archipels. Ein Abwassersystem dieser Größe trägt eine dauerhafte, sehr große Population der Amerikanischen Großschabe. Jeder Straßenablauf, jeder Schacht und jeder Bodenablauf in einem Erdgeschoss ist eine mögliche Verbindung nach oben.
Bauweise. Kanarische Bäder und Waschküchen haben offene Bodenabläufe mit Geruchsverschluss. Trocknet dieser Verschluss aus, was in warmen, wenig genutzten Räumen schnell passiert, ist der Weg vom Kanal in die Wohnung offen. Das ist ein bauliches Merkmal, kein Wartungsfehler.
Die zwei Arten unterscheiden
| Merkmal | Amerikanische Großschabe | Deutsche Schabe |
|---|---|---|
| Wissenschaftlich | Periplaneta americana | Blattella germanica |
| Größe | 3 bis 4 cm | 1,2 bis 1,6 cm |
| Farbe | rotbraun, glänzend | hellbraun mit zwei dunklen Längsstreifen |
| Herkunft | Kanalisation, Schächte, bewässerte Gärten | Innenräume, Küchen, Technikräume |
| Auftreten | einzeln, nachtaktiv | in Gruppen, nahe Wärme und Wasser |
| Fliegt | ja, gleitet kurz | praktisch nie |
| Bedeutung | Zufallsfund | Befall im Gebäude |
Diese Unterscheidung entscheidet über Ihr Vorgehen. Ein großes rotbraunes Tier im Treppenhaus ist Inselalltag. Kleine hellbraune Schaben hinter dem Kühlschrank bedeuten, dass sich eine Population im Haus vermehrt, und die wächst schnell.
Süden und Norden: zwei verschiedene Inseln
Gran Canaria wird oft als Kontinent im Kleinen beschrieben, und das gilt auch für Schädlinge.
Der Süden um Playa del Inglés, Maspalomas, San Agustín und Puerto Rico ist trocken, sonnig und heiß. Regen fällt kaum. Die Feuchtigkeit ist künstlich: Bewässerung der Hotelgärten und Golfanlagen, Poolzuleitungen, Duschen, Kanalisation. Genau dort sitzt die Amerikanische Großschabe. Typische Fundorte sind die Poolumrandung nach dem abendlichen Bewässern, Müllräume, Tiefgaragen und Bodenabläufe in Bädern im Erdgeschoss. In der Dünenzone selbst ist die Aktivität gering, weil dort kein Wasser steht.
Der Norden um Las Palmas ist feuchter, wolkiger und kühler, mit hoher Luftfeuchtigkeit durch den Passat. In der Altstadt Vegueta und in Triana stehen Gebäude aus dem 16. bis 19. Jahrhundert mit dicken Mauern, Innenhöfen, alten Leitungen und vielen Rissen. Diese Kombination aus Feuchtigkeit und Bausubstanz ist ideal, und hier melden Bewohner die meisten Innenraumfunde. Im Norden kommen zusätzlich Feuchtigkeitsschädlinge dazu: Silberfischchen und Schimmelprobleme in Erdgeschosswohnungen.
Die Höhe entschärft alles. In Tejeda oder rund um den Roque Nublo auf über 1.000 Metern fallen die Nachttemperaturen deutlich, die Aktivität ist gering.
Jahreszeit und Auslöser
| Zeitraum | Süden | Norden | Was Urlauber merken |
|---|---|---|---|
| Dezember bis Februar | mittel | mittel | Hauptreisezeit, Funde vor allem in Poolbereichen und Abläufen |
| März bis Mai | mittel bis hoch | mittel | steigende Nachttemperaturen |
| Juni bis September | hoch | hoch | Spitze nach Sonnenuntergang |
| Oktober und November | hoch | hoch | Regenereignisse spülen Tiere aus der Kanalisation nach oben |
Zwei Auslöser erhöhen die Sichtungen sprunghaft, ohne dass sich am Haus etwas geändert hätte: die Nacht nach starkem Regen und die Calima, wenn heiße Saharaluft die Nachttemperaturen oben hält. Auch Bauarbeiten oder Kanalspülungen in der Nachbarschaft treiben Tiere in umliegende Gebäude.
Reisemangel: die kurze Einordnung
Ein erheblicher Schädlingsbefall im Hotelzimmer kann nach deutschem Reiserecht einen Reisemangel darstellen. In der Praxis hängt fast alles daran, dass der Mangel noch vor Ort angezeigt wurde und der Veranstalter Gelegenheit zur Abhilfe hatte, etwa durch Zimmerwechsel. Ein einzelnes Tier auf einer subtropischen Terrasse wird kaum als erheblich gelten, wiederkehrende Funde im Bett- oder Essbereich sind eine andere Kategorie. Gerichte bewerten Einzelfälle sehr unterschiedlich. Das ist eine allgemeine Einordnung und keine Rechtsberatung. Verbindliche Auskunft geben Verbraucherzentralen oder Fachanwälte für Reiserecht.
Im Hotelzimmer: die richtige Reihenfolge
- Fotografieren, mit Größenvergleich wie einer Münze und einem erkennbaren Zimmerdetail.
- Nichts wegwischen und nichts entsorgen, bevor die Dokumentation steht.
- Noch am selben Tag an der Rezeption melden, schriftlich, mit Bestätigung und Namen des Mitarbeiters.
- Bei Pauschalreise die Reiseleitung informieren, ebenfalls vor Ort.
- Zimmerwechsel verlangen bei wiederholten Funden oder bei kleinen hellbraunen Tieren.
- Koffer auf den Gepäckständer stellen, nicht auf den Boden und nicht ins Bad.
Ferienwohnung: die ersten zehn Minuten
- Alle Bodenabläufe prüfen, bei trockenem Geruch einen halben Liter Wasser hineingießen.
- Mit der Taschenlampe unter Spüle und Waschbecken leuchten, offene Rohrdurchführungen sind der zweithäufigste Zugang.
- Hinter Kühlschrank und Wasserkocher schauen, schwarze Kotpunkte in Ritzen sind das Warnsignal.
- Küchenschrankecken und Scharniere kontrollieren.
- Fliegengitter und Balkontürdichtung prüfen, Gitter sind auf den Kanaren die Ausnahme.
- Fund fotografieren und noch am Ankunftstag über die Buchungsplattform melden.
Altstadt von Las Palmas: der Sonderfall
Wer in Vegueta, Triana oder im Hafenviertel wohnt, hat ein anderes Problem als ein Hotelgast in Maspalomas. Die Häuser dort sind alt, oft mehrfach umgebaut, die Leitungsführung gewachsen statt geplant. Zwischen Wohnung und Kanal liegen häufig nur ein Bodenablauf und eine unverfüllte Rohrdurchführung.
Typisch sind drei Muster. Erstens: Einzeltiere im Bad, immer nachts, immer im selben Raum, das deutet auf einen bestimmten Ablauf hin. Zweitens: Aktivität im gesamten Treppenhaus, dann liegt die Ursache im Gemeinschaftsbereich und gehört in die Eigentümerversammlung, die comunidad de propietarios, nicht in die eigene Wohnung. Drittens: kleine hellbraune Tiere in der Küche, dann geht es um einen Innenraumbefall, der professionell behandelt werden sollte.
Bei Mietwohnungen ist die Zuständigkeit eine praktische Frage: Ein baulicher Mangel wie ein defekter Bodenablauf oder ein offener Rohrdurchbruch fällt in der Regel dem Vermieter zu, die laufende Reinigung Ihnen. Melden Sie den Fund schriftlich, mit Fotos und Datum, damit die Ursache dokumentiert ist.
Was in den Koffer gehört
Für eine Hotelwoche brauchen Sie nichts Spezielles, ein Handy für die Dokumentation und der Gepäckständer reichen. Für Ferienwohnung oder Langzeitaufenthalt im Winter lohnen sich:
- ein flaches Universal-Abflussgitter für runde Bodenabläufe
- eine kleine Tube Gel-Köder ab etwa zwei Wochen Aufenthalt in eigener oder gemieteter Wohnung
- verschließbare Dosen oder Zip-Beutel für Müsli, Brot, Nüsse und Hundefutter
- eine Taschenlampe für die Ankunftskontrolle hinter Kühlschrank und unter der Spüle
- im feuchten Norden zusätzlich ein Luftentfeuchter-Granulat für Schränke
Was Residenten auf Gran Canaria tun
- Abflussgitter mit feiner Maschung auf jeden Bodenablauf in Bad, Dusche und Waschküche. Der wirksamste Einzelschritt gegen Großschaben.
- Geruchsverschlüsse feucht halten, einmal pro Woche spülen, vor längerer Abwesenheit mit etwas Speiseöl im Wasser die Verdunstung bremsen.
- Gel-Köder statt Spray. Wirkstoffe wie Fipronil, Imidacloprid oder Indoxacarb wirken über die Tiere hinaus in den Bau. Spray tötet nur das sichtbare Exemplar und treibt den Rest tiefer in die Ritzen.
- Rohrdurchführungen abdichten, unter der Spüle und hinter der Waschmaschine.
- Im Norden zusätzlich lüften und entfeuchten, weil Feuchtigkeit die eigentliche Ursache vieler Innenraumprobleme in Altbauten ist.
- Nachts kein Licht bei offener Balkontür, Müll abends hinunterbringen.
Wirkstoffdetails stehen im Ratgeber Schaben in Spanien, die regionale Übersicht unter Las Palmas, der Inselvergleich unter Kakerlaken auf den Kanaren.
Sind sie gefährlich?
Weder die Amerikanische Großschabe noch die Deutsche Schabe sind giftig, sie stechen nicht und beißen Menschen praktisch nie. Das reale Risiko ist mechanisch: Die Tiere wechseln zwischen Kanal, Müll und Küchenfläche und können dabei Keime übertragen. Kot und Häutungsreste enthalten Allergene, die bei Asthmatikern Beschwerden auslösen können. Praktisch heißt das: offen gelagerte Lebensmittel mit Schabenkontakt entsorgen, Flächen mit heißem Wasser und Reiniger abwischen, Geschirr vor Gebrauch spülen. Panik ist nicht nötig, Konsequenz bei den Zugängen schon.
Written by James Thornton
Founder & Lead Writer
British expat living in Málaga since 2019. Researched 200+ pest control cases across 16 Spanish regions.
Reviewed by Carlos Ruiz Martín
ROESBA-certified (Spain's Official Pest Control Registry). DDD specialist. Member of ANECPLA.
You Might Also Like
Las Palmas und Gran Canaria: Schädlinge im Überblick
Welche Schädlinge in Las Palmas und auf Gran Canaria vorkommen und wann sie aktiv sind.
Kakerlaken auf den Kanaren: Inselvergleich
Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote und La Palma im direkten Vergleich.
Schaben in Spanien: der komplette Ratgeber
Arten, Biologie, Bekämpfung und Vorbeugung gegen Kakerlaken in Spanien.